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Quelle: BfG

Erosionsstrecke

Als Erosionsstrecke werden die 170 Flusskilometer zwischen Mühlberg und der Saalemündung bezeichnet. In diesem Abschnitt ist eine besonders starke Sohlerosion zu beobachten, der entgegengewirkt werden soll.

Kartendarstellung des Flusslaufs der Elbe mit Markierungen für die Pilotstrecken Klöden, Lutherstadt Wittenberg und Coswig gemäß des Sohlstabilisierungskonzepts. Die Erosionsstrecke befindet sich zwischen Mühlberg und der Saalemündung.

Die Elbe ist ein von Menschenhand gestalteter Fluss. Dies ist auch zwischen Mühlberg und der Saalemündung (Elbekilometer 120 bis 290) der Fall. Landschaftsprägend sind hier neben den Hochwasserdeichen vor allem auch die Buhnen und Deckwerke, die das Flussbett seit Abschluss der Mittelwasserregelung in den 1880er Jahren im Lauf fixieren.

Luftbild eines kleinen Teils des Elbufers. Gut zu erkennen sind helle Sandablagerungen vor einer Buhne. Verlandete Buhnenfelder an der Erosionsstrecke. Quelle WSV, Andreas Hilger

Diese Uferbefestigungen führen jedoch auch seit über 100 Jahren zu höheren Fließgeschwindigkeiten in der Elbe. Gleichzeitig wurde die zur Verfügung stehende Geschiebemenge durch Querverbauungen in den Nebengewässern und im Oberlauf der Elbe stark vermindert. In der Folge wird immer mehr Sand und Kies aus der Flusssohle ausgetragen. Die Elbe gräbt sich so immer tiefer in ihr Flussbett ein. Diese Erosion der Flusssohle geht mit einem entsprechenden Absinken des mittleren Flusswasserspiegels einher. Dies hat nachteilige Auswirkungen auf die Schifffahrtsverhältnisse, die Regelungsfunktion und die Bauwerkssicherheit von Buhnen und Deckwerken. Auch die Lebensräume der angrenzenden Uferbereiche werden dadurch beeinträchtigt.

Das Phänomen menschengemachter Sohlerosion ist in der Erosionsstecke der Elbe besonders ausgeprägt. Dort sinkt die Sohle stellenweise jährlich um bis zu etwa zwei Zentimetern ab.

Ziel: Stabilisierung der Sohle

Seit Mitte der 1990er werden der Elbe jährlich etwa 60.000 bis 100.000 Tonnen eines Sand-Kiesgemischs zugegeben, um der Tiefenerosion im Bereich der Erosionsstrecke entgegenzuwirken. Für eine nachhaltige Reduzierung der Erosionstendenzen sind jedoch auch flankierende Maßnahmen im Bereich des Gewässerbettes und in den Vorländern notwendig. Sonst laufen insbesondere das Biosphärenreservat Mittelelbe und das Gartenreich Dessau-Wörlitz aufgrund hydrogeologischer Veränderungen Gefahr, ihren Status als UNESCO-Biosphärenreservat beziehungsweise UNESCO-Welterbe zu verlieren.

Alle Maßnahmenoptionen, die das Gesamtkonzept Elbe für die Erosionsminderung vorsieht, basieren auf dem Sohlstabilisierungskonzept. Es entstand unter Federführung der WSV unter Mitwirkung der betroffenen Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt. Besonders dringender Handlungsbedarf wird dabei in den Streckenabschnitten der Elbe bei Klöden, Lutherstadt Wittenberg und Coswig (Anhalt) gesehen.

Um die Erosionstendenzen auf ein nahezu natürliches Maß zu reduzieren, soll unter Beachtung der Hochwasserneutralität auch ein früheres und stärkeres Ausufern zugelassen werden. Eine Möglichkeit hierfür stellen Uferabgrabungen dar, die vor allem dort vorgenommen werden sollten, wo die Ufer mit der Zeit durch Sedimentablagerungen aufgehöht wurden. Durch das Reaktivieren von Flutrinnen und das Wiederanbinden von Altarmen wird das Gewässerbett ebenfalls entlastet. So verringert sich der Strömungsangriff auf die Flusssohle bei Abflüssen, die oberhalb des Mittelwassers liegen.

Genauere Informationen zu den einzelnen Maßnahmen finden Sie in den Themengebieten Wasserwirtschaft, Naturschutz sowie Stromregelung & Verkehr.

Letzte Änderung: 07.10.21