Projektseite Gesamtkonzept Elbe

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Hintergrund
Quelle: BfG

Zustand der Wasserbewirtschaftung

Wie es um den ökologischen und chemischen Zustand einzelner Flussabschnitte der deutschen Binnenelbe zum Zeitpunkt der Erarbeitung der Schwachstellenanalyse 2014 beschaffen war, erfahren Sie hier.

Das Ziel: Ein guter ökologischer Zustand der Elbe

Von einem breiten und sandigen Ufer aus ist im Hintergrund auf der Elbe ein Passagierschiff zu sehen. Schiffsverkehr an der Elbe. Quelle Sebastian Kofalk, BfG

Die deutsche Binnenelbe umfasst gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sechs „Oberflächenwasserkörper“ (OWK). Sie erstrecken sich von der tschechischen Grenze bis zum Wehr Geesthacht südlich von Hamburg. Laut WRRL besteht das Ziel, alle OWK in einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu versetzen. Für die angrenzenden Grundwasserkörper ist ebenfalls ein guter chemischer sowie ein guter mengenmäßiger Zustand zu erreichen.

Voraussetzung für die Erreichung des guten ökologischen und chemischen Zustandes ist es, die wasserwirtschaftlichen Schwachstellen an der deutschen Binnenelbe zu kennen. Im Rahmen der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe wurde 2014 eine Schwachstellenanalyse der Wasserbewirtschaftung für die OWK der Elbe vorgenommen. Dabei wurde neben den Oberflächenwasserkörpern und den Grundwasserkörpern auch das Hochwasserrisiko betrachtet.

Zustand der Oberflächenwasserkörper 2014: Nicht gut bis unbefriedigend

Die sechs OWK unterliegen vielfältigen durch Menschen verursachten und räumlich unterschiedlich ausgeprägten Belastungen. In allen sechs lassen sich Habitatveränderungen und Belastungen mit Nähr- und Schadstoffen feststellen. Die im Elbeeinzugsgebiet und im Hauptstrom vorhandenen Belastungen und deren Auswirkungen zeigen deutlich die Spuren der historische Entwicklung.

Zu sehen ist ein rundes Klärwerksbecken. Nachklärbecken einer Kläranlage. Quelle FGG Elbe

Bei der Schwachstellenanalyse von 2014 wurden alle Wasserkörper in den nicht guten chemischen Zustand und den unbefriedigenden ökologischen Gesamtzustand eingestuft. In der nachfolgenden Aufzählung sind für die sechs Oberflächenwasserkörper (inkl. Kürzel) die jeweiligen besonderen Belastungen aufgelistet:

  • Im tschechischen Grenzgebiet (DESN_5-0_CZ) ist die Elbe durch Gewässerausbau und Veränderung der Ufer- und Auenstruktur signifikant belastet. Eine negative Veränderung des Temperaturhaushalts belastet zudem die Sedimente.
  • Im weiteren Verlauf der Elbe rund um Dresden bis nach Prettin (DESN_5-1 und DESN_5-2) belasten darüber hinaus kommunale Kläranalagen und Altstandorte der Industrie die Wasserqualität.
  • Weiter stromabwärts, zwischen Mühlberg und der Saalemündung, befindet sich die sogenannte Erosionsstrecke (DESN_5-2 und DEST_EL03OW01-00). Hier hat sich infolge menschlicher Einflüsse die Flusssohle der Elbe besonders stark eingetieft. Auen könnten infolge der Tiefenerosion austrocknen und die flussauentypischen Biotope sind dadurch gefährdet.
  • Zwischen Prettin und der Havelmündung (DEST_EL03OW01-00 und DEST_MEL07OW01-00) kommen zu den bereits genannten Belastungen Wasserentnahmen hinzu.
  • Der Oberflächenwasserkörper zwischen der Havelmündung und dem Wehr Geesthacht (DENI_MEL08OW01-00) wird wesentlich durch Transport bzw. Schiffsverkehr und durch landwirtschaftliche Aktivitäten beeinträchtigt.

Zustand und Ursachen des Hochwasserrisikos 2014: Veränderungen der Auen

Zu sehen ist ein Hauseingang. Rechts unten neben der Haustür beginnend bis ans obere Ende des Fensters im ersten Stock sind Hochwasserstände mit Datum aufgemalt. Historische Hochwassermarken an einem Haus in Bad Schandau. Quelle Manfred Simon

Die Hochwasserereignisse in den letzten Jahren haben das Gefahrenpotenzial der Elbe in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Entsprechend wurde der Hochwasserschutz weiter verbessert. Die Ist-Analyse zeigte 2014 jedoch noch Schwachstellen:

  • Für alle Oberflächenwasserkörper wurde eine starke Veränderung der rezenten Flussaue festgestellt.
  • Im tschechischen Grenzgebiet (DESN_5-0_CZ) ist ein ausreichender Schutz vor Hochwasser vorhanden.
  • Rund um Dresden (DESN_5-1) waren noch nicht alle öffentlichen Hochwasserschutzmaßnahmen für Siedlungsgebiete umgesetzt.
  • Von Riesa bis zum Wehr Geesthacht (DESN_5-2 bis DENI_MEL08OW01-00) sind Auenflächen als natürliche Überschwemmungsflächen verloren gegangen. Außerdem wiesen Deiche und Hochwasserschutzanlagen Schwachstellen auf. Es fehlten zusätzliche Polder und Retentionsflächen.
  • Im Bereich des Elbetals zwischen Prettin und der Saalemündung (DEST_EL03OW01-00) war kein Verlust von natürlichen Überschwemmungsflächen zu verzeichnen. Doch auch hier gab es Bedarf an zusätzlichem Retentionsraum.
  • Zwischen Prettin und der Havelmündung (DEST_EL03OW01-00 und DEST_MEL07OW01-00) gab es Engstellen, die das Abfließen von Hochwasser erschweren und für höhere Wasserstände sorgen.
  • Die höheren Wasserstände hatten zur Folge, dass der Hochwasserabfluss zwischen der Havelmündung (DENI_MEL08OW01-00) bis hin zum Wehr Geesthacht verbessert werden musste.

Schlussfolgerungen: Welcher konkrete Handlungsbedarf besteht?

Die genannten Schwachstellen ergaben sich unter anderem aus der historisch-industriellen Nutzung sowie den Nutzungsansprüche an die Elbe selbst, z. B. Schifffahrt oder Hochwasserschutz. Um ihnen entgegenzuwirken und die Bewirtschaftungsziele der WRRL im Flussgebiet der Elbe zu erreichen, zeigt die Schwachstellenanalyse 2014 folgende Handlungsbedarfe mit Blick auf das gesamte Einzugsgebiet auf:

  • lineare Durchgängigkeit der Fließgewässer verbessern,
  • angemessene Lebensräume für Fische und Rundmäuler wiederherstellen sowie
  • Nährstoff- und Schadstoffeinträge senken.

Für eine Reihe von Stoffen, die für die Bewertung des chemischen und ökologischen Zustandes relevant sind, werden die festgelegten Umweltqualitätsnormen (OQN) bzw. Schwellenwerte überschritten. Die Ist-Analyse stellte daher fest, dass es bis zum Ende des ersten Bewirtschaftungszyklus nicht möglich gewesen ist, in allen Oberflächenwasserkörpern die Ziele der WRRL zu erreichen. Ohne zielgerichtete Maßnahmen zur Reduzierung der bestehenden Schadstoffquellen wird es auch nicht möglich sein, diese Ziele bis zum Ende des zweiten Bewirtschaftungszyklus zu erreichen.

Auch im Bereich des Hochwasserrisikomanagements ergibt sich laut Schwachstellenanalyse 2014 ein klarer Handlungsbedarf, der sich stark an das nationale Hochwasserschutzprogramm (NHWSP) anlehnt:

  • Flächen erhalten, die zum Hochwasserrückhalt entlang der Gewässer beitragen,
  • Deiche rückverlegen oder frühere Überschwemmungsgebiete wiederherstellen,
  • Hochwasserspitzen in Poldern oder Hochwasserrückhaltebecken bzw. Talsperren gesteuert rückhalten sowie
  • Schwachstellen beseitigen.

Gesamtkonzept Elbe leitete Maßnahmenoptionen ab

Das Gesamtkonzept Elbe hat anhand der hier vorgestellten Schwachstellenanalyse 2014 verschiedene Maßnahmenoptionen für die Wasserwirtschaft definiert. Sie haben zum Ziel, die stoffliche Belastung zu reduzieren sowie den Wasserhaushalt und den Hochwasserschutz an der deutschen Binnenelbe zu verbessern.

Detaillierte Informationen zum Zustand der Wasserwirtschaft finden Sie in der Schwachstellenanalyse 2014: Ist-Analyse der Wasserwirtschaft.

Letzte Änderung: 05.10.21