Projektseite Gesamtkonzept Elbe

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Hintergrund
Quelle: BfG

Zustand der Stromregelung

Die deutsche Binnenelbe ist seit Ende des 19. Jahrhunderts eine durchgängig ausgebaute Wasserstraße, die bei normalen Abflüssen durch Stromregelungsbauwerke in ihrem Bett gehalten wird. Der frei fließende Charakter des Flusses ist dabei erhalten geblieben.

Die Elbe – ein lebendiger Fluss

Frei fließende, natürliche Flüsse verändern ihren Lauf mit der Zeit und passen sich ihrer Umgebung an. Auch ein so großer Strom wie die Elbe fließt eigentlich nicht immer in ein- und demselben Flussbett. Über die Zeit bildet er Seitenarme aus, erschafft Inseln und gestaltet immer wieder andere Uferformationen. Welche Gestalt er annimmt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel

  • von der Art und Menge an Sand und Gestein, die er transportiert und die sein Bett bilden,
  • der Stärke und des Verlaufs seiner Strömung,
  • dem Wasserstand und
  • äußeren Einwirkungen vor allem durch den Menschen aber auch durch Tiere – man denke an den Elbebiber als natürlichen Architekten des Flusses.

Vor dem Eingreifen des Menschen Anfang des 19. Jahrhunderts teilte sich die Elbe in ihrem Mittellauf in verschiedene Seitenarme auf. Die Flussauen wurden regelmäßig überspült und der Strom führte gleichmäßig viel Sand und Gestein mit sich, wodurch eine natürliche Erosion innerhalb des Flussbetts auftrat.

Der Mensch greift in die Elbe ein

Luftbild eines kurzen Abschnitts der Elbe. Zu sehen sind Buhnen und Buhnenfelder sowie ein Parallelwerk an beiden Ufern. Das Stromregelungssystem der Elbe. Quelle WSV, Andreas Hilger

Seit jeher Nutzen die Menschen die Elbe für ihre Zwecke. Doch erst im 18. Jahrhundert gewinnen Wasserstraßen im großen Maße an Bedeutung. Um die Schifffahrt auf der Elbe zu erleichtern, entstand 1760 in Sachsen die erste Wasserbauverwaltung. Seitdem wurden Seitenarme abgetrennt und der Flusslauf auf einen Hauptstrom begrenzt. Dieser wurde an vielen Stellen eingeengt oder begradigt sowie an seinen Rändern und in den Auen Deiche für den Hochwasserschutz errichtet. Kurz: Er wurde geregelt.

Zunächst richteten sich die Stromregelungsmaßnahmen auf die Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse während Mittelwasserphasen. Längsbauwerke und Buhnen wurden gebaut, um die Strömung zu erhöhen, die Fahrrinne zu vertiefen und die Sohle zu stabilisieren. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen ähnliche Bauwerke im Bereich des Niedrigwassers hinzu, da dieses öfter als zuvor auftrat. Grund hierfür war die mit der Zeit verstärkt auftretende Tiefenerosion der Flusssohle.

Heute besteht das Stromregelungssystem entlang der Elbe aus ca. 6.900 Buhnen, die beidseitig der Elbe quer zum Strom in den Fluss hineinragen und aus rund 330 km Parallel- und Deckwerken, die längs entlang des Ufers eingebaut sind. Weitere Regelungsbauwerke befinden sich in Form von Sohlschwellen unterhalb der Wasserlinie auf dem Grund des Flusses. Das Ziel des Regelungssystems ist es, den Fluss in seinem Lauf festzulegen, gleichwertige Tiefenverhältnisse für die Schifffahrt zu gewährleisten und gleichzeitig einen geregelten Sedimentdurchtransport zu erreichen. Darüber hinaus dient es der Ufersicherung nahe am Ufer liegender Hochwasserschutzbauwerke und Ansiedlungen sowie kreuzender Infrastrukturbauwerke.

Der Fluss reagiert auf die Stromregelung

Die Stromregelung der vergangenen Jahrhunderte – die letzte große Maßnahme fand 1990 statt – erfüllte anfänglich ihren Zweck und die Verhältnisse für die Binnenschifffahrt auf der Elbe verbesserten sich. In der Mitte des Flusses entstanden bei gleichen Abflussverhältnissen größere Wassertiefen. Zusätzlich wurden aber entlang der Elbe viele Deiche gebaut und auch an den Flussläufen ihres Einzugsgebietes viele regulierende Maßnahmen, wie Wehre und Talsperren, umgesetzt. Auf lange Sicht führte die Summe der Eingriffe dazu, dass sich die Menge an Kies und Sand im Fluss verringerten und sich ihre Zusammensetzung veränderte. Zusätzlich nahm die Fließgeschwindigkeit im Hauptstrom zu. So grub sich der Fluss immer tiefer in sein Flussbett und schwemmte leichte Sedimente wie Sand davon.

Heute liegt die Sohle in einigen Streckenabschnitten der Elbe um bis zu zwei Meter tiefer (bei Torgau) als vor den Regelungseingriffen. Pro Jahr werden im Mittel zwischen einem und 1,25 Zentimeter der Sohle abgetragen. Das heißt, dass es Bereiche gibt, die sich stärker eintiefen, anderen, an denen sich die Sohle kaum verändert, aber auch Stellen, an denen es zu Aufhöhungen kommt. Das allein wäre noch kein Problem. Allerdings kommen nicht genug Sand und Gestein vom Oberlauf nach, sodass sich die entstandenen Erosionsspalten nicht füllen können.

In der Ist-Analyse für das Gesamtkonzept Elbe von 2016 wurde festgestellt, dass der Elbe jährlich etwa 400.000 Tonnen Geschiebe fehlen. Momentan werden im Jahr etwa 60.000 bis 100.000 Tonnen Geschiebe hinzugegeben. Das reicht allerdings nicht aus, um der Tiefenerosion entgegenzuwirken. Da sich am Stromregelungssystem seit den 1990ern kaum etwas geändert hat, werden diese Sand- und Gesteinszugaben direkt wieder fortgespült.

Unterhaltung der Bauwerke

Blick auf eine Buhnenbaustelle vom Ufer der Elbe aus. Auf der Buhne befindet sich ein Bagger, an ihrem Rand liegen zwei Schiffe. Bau einer Totholzbuhne. Quelle BfG

Die Regelungsbauwerke werden durch Hochwasser, Eis, Bewuchs und Vandalismus beansprucht. In ihrer heutigen Form haben sie streckenweise auch in Bezug auf ihre Regelungswirkung nicht die richtigen Größe. Einschränkungen in der schifffahrtlichen Nutzbarkeit der Elbe sind die Folge. Gleichzeitig stellen sich negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Gewässersohle ein. Die Bauwerke müssen daher regelmäßig überprüft und durch die WSV ausgebessert und optimiert werden.

Eine genaue Übersicht über alle Schwachstellen der Regelungsbauwerke finden Sie in der Ist-Analyse der Stromregelung des Gesamtkonzeptes Elbe. 

Letzte Änderung: 14.10.21