Projektseite Gesamtkonzept Elbe

Geschäftsordnung Gesamtkonzept Elbe

Stand 27.11.2015

Präambel

Für die nachhaltige Entwicklung der deutschen Binnenelbe soll durch Bund und beteiligte Länder ein Gesamtkonzept Elbe erarbeitet werden. Im Rahmen des Gesamtkonzeptes sollen die verkehrliche Nutzung der Binnenelbe sowie die wasserwirtschaftlichen Notwendigkeiten mit der Erhaltung des wertvollen Naturraums in Einklang gebracht werden. Seitens der Verwaltungen und der beteiligten Interessenverbände gibt es in verschiedenen Bereichen Handlungsbedarfe. So ist unter anderem aus Sicht der Wirtschaft möglichst eine verlässliche, wirtschaftliche und ganzjährige Schifffahrt sicherzustellen. Aus Sicht des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft ist ökologischen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken und der gute ökologische und chemische Zustand zu erreichen. Dies erfordert die Entwicklung einer Strategie für die Binnenelbe, die die bisherige eher abschnittsweise, von den jeweiligen sektoralen Perspektiven und Zuständigkeitsgrenzen geprägte Denk- und Handlungsweise ersetzt. Zu diesem Zweck soll im Dialog eine gleichrangige Betrachtung der erforderlichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der verkehrlichen Nutzung und der Anforderungen an den Gewässer-, Auen- und Naturschutz bzw. Entwicklung und Bodenschutz sowie weitere Nutzungen, wie Tourismus, Land-/Forstwirtschaft und Fischerei erfolgen.

Zwischen 2013 und 2015 haben Bund und Länder unter Begleitung verschiedener Interessengruppen die Analyse der Ist-Situation vorgenommen und im Juli 2015 den beteiligten Interessenvertretungen vorgestellt. Die Erarbeitung von Zielen und Handlungsoptionen einschließlich konkreter Einzelmaßnahmen soll als Soll-Konzeption bis Ende 2016 erfolgen. Die Eckpunkte des Gesamtkonzeptes bilden die Grundlage (Beschlussfassung der 6. Bund-Länder Sitzung am 23.05.2013) für die ergebnisoffene Erarbeitung des Gesamtkonzepts Elbe. Die Perspektiven der teilnehmenden Verbände wurden in den eingebrachten Stellungnahmen zum Ist-Konzept zum Ausdruck gebracht.

Die vorliegende Geschäftsordnung beschreibt die Rahmenbedingungen der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe.

Im Rahmen der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe werden Interessengruppen aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Verkehrswirtschaft, Wasserwirtschaft und Zivilgesellschaft beteiligt. Das Gesamtkonzept Elbe soll die Grundlage für ein synergetisches Verwaltungshandeln von Bund und Ländern an der Elbe sein, das auch von Interessenvertreterinnen und -vertretern und der Öffentlichkeit mit hoher Akzeptanz mitgetragen wird. Formelle Verfahren und die spätere Umsetzung können dadurch beschleunigt werden. Ein besonderer Fokus bei der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe soll daher auf Maßnahmenoptionen liegen, die mehrere unterschiedliche Interessen berühren und deren Integration für einen erfolgreichen Abschluss formeller Verfahren notwendig ist.

I. Ziele und Stellung des Gesamtkonzeptes Elbe

  • Das Gesamtkonzept Elbe ist ein informelles Koordinations- und Planungsinstrument ohne Rechtsgrundlage, welches das Verwaltungshandeln der zuständigen Bundes- und Landesbehörden ergänzt (Verwaltungsverfahren und Entscheidungsprozesse).
  • Ein Gesamtkonzept Elbe, das von den verschiedenen Interessengruppen breite Akzeptanz erfährt, besitzt jedoch eine hohe informelle Bindungswirkung für den weiteren politisch-administrativen Entscheidungsprozess.

Ziel des Gesamtkonzeptes Elbe ist es,

  • Widersprüche zwischen den verschiedenen eingangs genannten Interessen nach Möglichkeit zu vermindern und Synergiepotenziale zu identifizieren,
  • zu diesem Zweck Leitlinien zur nachhaltigen Entwicklung der Binnenelbe zu erarbeiten,
  • und dazu unter anderem Maßnahmenoptionen für die konfliktträchtigen Streckenbereiche der Elbe, insbesondere für die sogenannte Reststrecke und die Erosionsstrecke zu formulieren,
  • einen Vorschlag für die weitere Kommunikation und Zusammenarbeit im Anschluss an das Gesamtkonzept zu erarbeiten.
  • Im Ergebnis wird ein Gesamtkonzeptpapier erarbeitet, das auch Beschreibungen von technischen und ökologischen Bau-, Entwicklungs- und Unterhaltungsmaßnahmen (Maßnahmentypen, Maßnahmenbündel und ggf. ausgewählte Einzelmaßnahmen) enthält.
  • Interessenvertretungen aus den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Verkehrswirtschaft, Wasserwirtschaft und der Zivilgesellschaft wird es ermöglicht, ihre Belange strukturiert in den Diskussionsprozess einzubringen.
  • Um eine qualifizierte Diskussion zu ermöglichen, wird im Rahmen des Gesamtkonzeptes Elbe größtmögliche Transparenz hinsichtlich der Planungsgrundlagen/-ziele und Entscheidungsprozesse hergestellt.
  • Die verantwortlichen Behörden treffen und begründen ihre Entscheidungen nach fachlicher Auseinandersetzung mit vorgetragenen Einwänden und Vorschlägen sowie qualifizierter Diskussion.

II. Gremien im Rahmen des Gesamtkonzeptes Elbe

Zur Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe werden drei Gremien konstituiert:

  • Eine Arbeitsgruppe mit der zentralen Funktion der inhaltlichen Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe
  • Ein Beratergremium mit der zentralen Funktion der aktiven Einbindung der Interessengruppen bei der inhaltlichen Erarbeitung des Gesamtkonzeptes
  • Ein Bund-Länder Gremium mit der zentralen Funktion der abschließenden Abnahme des Gesamtkonzepts Elbe nach Erörterung der vom Beratergremium vorgetragenen Handlungsempfehlungen

III. Prinzipien der Arbeit der Arbeitsgruppe

  • Die Arbeitsgruppe ist für die inhaltliche Bearbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe zuständig.
  • Die inhaltliche Bearbeitung des Gesamtkonzepts Elbe erfolgt in vier als Unterarbeitsgruppen organisierten Arbeitspaketen, die einer Arbeitsgruppe aus BMUB, BMVI, GDWS, LAG Biosphärenreservat (BR) und FGG Elbe zuarbeiten:

Arbeitsgruppe*

(BMUB, BMVI, GDWS, LAG Biosphärenreservat, FGG Elbe)

Arbeitspaket 1

Wasserwirtschaft

Arbeitspaket 2
Naturschutz
Arbeitspaket 3
Stromregelung
Arbeitspaket 4
Verkehr
(FGG Elbe)(Biosphärenreservat Mittelelbe für LAG BR)(GDWS)(BMVI + BMUB + Verkehrsministerien der Länder)

*In den Unterarbeitsgruppen sind folgende Bundesländer vertreten: Freie und Hansestadt Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Bayern. Darüber hinaus sind Vertreter des Bundesamtes für Naturschutz, der Bundesanstalten für Gewässerkunde und Wasserbau sowie des Umweltbundesamtes eingebunden.

  • Die Leitung der Arbeitsgruppe übernimmt ein/e Vertreter/in der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt.
  • Die Herstellung der Vergleichbarkeit der Arbeitspakete erfolgt durch die Arbeitsgruppe. Es wurde dazu vereinbart, die Arbeitsergebnisse der Ist-Aufnahme und das jeweilige Sollkonzept grundsätzlich Elbestrecken- bzw. Wasserkörper bezogen aufzuarbeiten, um auf diese Weise gemeinsame Schwachstellen und Potenziale der Arbeitspakete lokalisieren zu können.
  • Die Arbeitsgruppe führt die Sollkonzepte der Arbeitspakete zu einem Entwurf eines gemeinsamen Sollkonzepts für das Beratergremium zusammen. Wenn Vorschläge des Beratergremiums keinen Eingang finden, wird das konkret begründet und dem Beratergremium vorgelegt.
  • Das gemeinsame Sollkonzept enthält synergetische Lösungsansätze und Kompromissvorschläge zur Lösung von Zielkonflikten.
  • Maßnahmen, die nur für einzelne Arbeitspakete Relevanz haben und / oder keine Synergien versprechen, werden dokumentiert und durch die jeweils Verantwortlichen weiter verfolgt.

IV. Prinzipien der Arbeit des Beratergremiums
a) Aufgaben des Beratergremiums

  • Das Beratergremium ist die Plattform, auf der die Interessenvertretungen aktiv ihre Vorschläge in den Arbeitsprozess einbringen.
  • Das Beratergremium formuliert im Rahmen der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe Informationsbedarf und Prüfaufträge, Arbeitsaufträge Kommentare, Fragen und Empfehlungen. Dies schließt die Fragen an wissenschaftliche Oberbehörden des Bundes und ggf. zusätzlich hinzuziehende Expertinnen und Experten ein.

b) Arbeitsweise des Beratergremiums

  • Das Beratergremium wird extern moderiert.
  • Der Formulierung von Informationsbedarfen und Prüfaufträgen geht eine gemeinsame Diskussion im Beratergremium voraus. Dabei strebt das Beratergremium Konsens an. Konsens und Dissens werden durch die Moderation dokumentiert. Der aus dem Dissens resultierende Entscheidungsbedarf wird dem Bund-Länder-Gremium zur Entscheidung vorgelegt.
  • Die Erteilung von Arbeitsaufträgen an die Arbeitsebene, die Annahme von Dokumenten und Entscheidungen über Verfahrensfragen erfolgt durch das Bund-Länder Gremiums. Die am Beratergremium teilnehmenden Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern wirken auf eine klare Kommunikation zwischen Beratergremium und Bund-Länder Gremium hin.
  • Alle im Beratergremium formulierten Informationsbedarfe und Prüfaufträge, Arbeitsaufträge, Kommentare, Fragen und Empfehlungen werden von der Moderation in Form eines Ergebnisprotokolls zu jeder Sitzung dokumentiert.

c) Teilnehmer

  • Am Beratergremium nehmen 4 Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich Umwelt- und Naturschutz/Zivilgesellschaft, 4 Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich Wirtschaft/Verkehr sowie ein Vertreter der Kirchen, die Arbeitsgruppe gem. Abschnitt V teil. Weiterhin wird ein/e Vertreter/in des tschechischen Verkehrsministeriums zu den Sitzungen eingeladen.
  • Die Vertreterinnen und Vertreter sind von ihren Interessenvertretungen mit einem entsprechenden Mandat für die Verhandlung des Gesamtkonzepts Elbe ausgestattet.
  • Jede/r ständige Vertreter/in kann eine/n Stellvertreter/in für das Beratergremium nominieren.
  • Nach Bedarf können auf Einladung an den Sitzungen des Beratergremiums zudem Fachvertreter/innen der wissenschaftlichen Oberbehörden des Bundes sowie weitere Expertinnen und Experten teilnehmen. Die Einladung erfolgt nach Abstimmung im Beratergremium über die Moderation.

d) Organisation/Sonstiges

  • Sitzungstermine des Beratergremiums werden frühzeitig bekannt gegeben.
  • Die Zusendung von Sitzungsunterlagen erfolgt möglichst zwei Wochen vor dem Sitzungstermin. Hiervon soll nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden.
  • Die Organisation der Sitzungen (Einladung, Tagesordnung, Gesprächsleitung) und deren Dokumentation (Protokolle, Tischvorlagen, etc.) werden der externen Moderation übertragen. Für das BMVI übernimmt die GDWS die dadurch entstehenden Kosten und ist für die vertragliche Abwicklung verantwortlich.
  • Für Kostenerstattungen für die Teilnehmenden (Reisekosten, Sitzungsgelder) besteht keine Rechtsgrundlage.

V. Prinzipien der Arbeit des Bund-Länder Gremiums (Entscheidungsgremium)
a) Aufgaben

  • Das Bund-Länder Gremium entscheidet über die Erteilung von Arbeitsaufträgen an die Arbeitsebene sowie die Annahme von Dokumenten und Verfahrensfragen.

b) Arbeitsweise

  • Die Leitung des Bund-Länder-Gremiums haben das BMVI und das BMUB.
  • Zustimmungen werden in der Regel mündlich in den Sitzungen des Bund-Länder-Gremiums eingeholt und schriftlich protokolliert.
  • Nicht-Zustimmungen des Bundes und der Länder sind von diesen schriftlich innerhalb von 14 Tagen bei der Geschäftsstelle einzureichen und zu begründen.
  • Zu jeder Sitzung des Bund-Länder Gremiums erstellt die Geschäftsstelle einen Ergebnisvermerk. In der folgenden Sitzung werden Hinweise zum Ergebnisvermerk abgefragt und dokumentiert

c) Teilnehmer

  • Das Bund-Länder Gremium besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der zuständigen Bundes- und Landesministerien sowie ggf. deren nachgeordnete Behörden. An den Sitzungen des Bund-Länder Gremiums nehmen darüber hinaus die Mitglieder der Arbeitsgruppe, sowie die ständigen Mitglieder des Beratergremiums und deren Vertreter/innen Vertreter des tschechischen Verkehrsministeriums und der Moderator als ständige Gäste mit Rederecht teil.

d) Organisation/Sonstiges

  • Zur Koordination der Sitzungen des Bund-Länder Gremiums ist eine Geschäftsstelle bei der GDWS ASt-Ost eingerichtet. Die Geschäftsstelle für das Gesamtkonzept Elbe bereitet die Sitzungen des Bund-Länder-Gremiums vor (Versand von Einladungen, Tagesordnung und Unterlagen), protokolliert und koordiniert den Gesamtablauf und ist für die Dokumentverwaltung verantwortlich.
  • Reguläre Sitzungstermine des Bund-Länder Gremiums werden zwei Monate im Voraus bekannt gegeben.
  • Die Zusendung von Sitzungsunterlagen erfolgt zwei Wochen vor dem Sitzungstermin. Hiervon soll nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden.

VI. Kommunikation/Sonstiges

  • Alle Vertreterinnen und Vertreter gehen vertrauensvoll, wertschätzend und respektvoll miteinander um.
  • Die Sitzungen aller Gremien sind nicht-öffentlich und nur dem Teilnehmerkreis wie in dieser Geschäftsordnung beschrieben zugänglich.
  • Die Repräsentantinnen und Repräsentanten der Interessengruppen informieren ihre jeweiligen Gremien über den Stand der Diskussion und können Vorschläge für die Einladung von Expertinnen und Experten machen.
  • Nicht abgestimmte Sitzungsunterlagen sind vertraulich und nur für die am Dialogprozess beteiligten Institutionen bestimmt.
  • Während der Erarbeitung des Gesamtkonzeptes Elbe erfolgt die diesbezügliche Pressearbeit über die Geschäftsstelle des Bund-Länder Gremiums. Pressemitteilungen etc. werden im Beratergremium erarbeitet. Die Vertreter/innen üben mediale Zurückhaltung zu den im Beratergremium besprochenen Entwürfen und Konzepten.
  • Für jedes Gremium wird ein eigener E-Mailverteiler eingerichtet. Die Versendung von Informationen über diese Verteiler erfolgt über die Gremienleitung/Moderation bzw. nach vorhergehender Absprache mit dieser.
  • Zudem wird ein Gesamtverteiler eingerichtet, der nur von bzw. in Abstimmung mit der Geschäftsstelle bedient werden kann.
  • Für die Vereinfachung der Kommunikation nach innen und außen richtet die Geschäftsstelle ein Informationsportal im Internet ein. Dieses enthält

    • einen öffentlichen Bereich mit Informationen und abschließend angenommenen Dokumenten, Präsentationen, Protokollen und Ergebnisvermerken der Bund-Länder-Besprechungen, die Geschäftsordnung sowie das erarbeitete Gesamtkonzept mit möglichen Stellungnahmen
    • sowie einen internen Bereich für Teilnehmende der Gremien mit Zugriff auf notwendige Dokumente. Dazu zählen unter anderem Entwurfsfassungen der Dokumente, Zwischenergebnisse von Studien und Entwürfe der Soll-Konzepte.
  • Zur Kommunikation in die Region werden Regionalkonferenzen durchgeführt.
  • Tagungsorte der Gremiensitzungen sind Berlin sowie fallweise Magdeburg.

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